Mehr als nur eine Nebensache!
Für viele von uns ist ein Leben ohne Sport nicht vorstellbar. Für viele Kinder und Jugendliche, für Familien und Senioren ist Sport fester Bestandteil ihrer Freizeit. Doch Sport ist mehr als eine der schönsten Nebensachen der Welt: Sport trägt bei zu Gesundheitsvorsorge und Integration. Sport ist sozialer Kitt, Sport verbindet. Daneben ist Sport auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Die Sportvereine in Bayern leisten daher einen unverzichtbaren Beitrag für unser Gemeinwesen. Es sind unsere Vereine, die immer noch zu sozialen Preisen ein solides und vielfältiges Sportangebot und Gemeinschaftsleben zu bieten haben. Die Sportvereine sind dabei Engagement von Bürgern für Bürger. Ihre Arbeit und die Arbeit der Ehrenamtlichen in den anderen 11.726 bayerischen Sportvereinen ist deshalb gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sie verdient Respekt und vor allem jede Menge Unterstützung.
Sportförderung in Bayern
Doch leider ist auch die Sportförderung im Freistaat von den überzogenen Kürzungen und der rigiden Sparpolitik der Bayerischen Staatsregierung in besonderem Maße betroffen. Waren im bayerischen Staatshaushalt für das Jahr 2002 noch 57,7 Millionen Euro für die Sportförderung ausgewiesen, waren es im Jahre 2005 gerade noch 35,5 Millionen. Nach 40,125 Mio. Euro im Nachtragshaushalt 2006 sind nunmehr für die Haushaltsjahre 2007 und 2008 jeweils 42,06 Mio. Euro für die Sportförderung vorgesehen. Damit wird noch längst nicht wieder das Niveau des Jahres 2002 erreicht!
Besonders dramatisch ist die Situation beim Sportstättenbau und bei der Anschaffung von Großgeräten. Während die Haushaltsansätze hierfür über Jahrzehnte hinweg zwischen 10 und 15 Mio. Euro betrugen, sind im Doppelhaushalt 2007/08 nur noch 6,26 Mio. Euro pro Haushaltsjahr vorgesehen.
Dabei gefährden Kürzungen bei der Sportförderung nicht nur kostbare ehrenamtliche Strukturen, sie sind auch kurzsichtig: Was heute am Sport gespart wird, muss morgen doppelt und dreifach an anderer Stelle ausgegeben werden!
Sport als Gesundheitsvorsorge
Das gilt besonders für den Bereich der Gesundheitsvorsorge bei Kindern. Sportwissenschaftliche Untersuchungen zeigen auf, dass das Durchschnittsgewicht der heute zehnjährigen Kinder um acht Kilogramm höher ist als vor 20 Jahren. Die körperliche Leistungsfähigkeit der heute Zehnjährigen entspricht der Leistungsfähigkeit, die vor 20 Jahren siebenjährige Kinder hatten. Von Medizinern, Sportwissenschaftlern, Krankenkassen, Pädagogen und Gesundheitsexperten wird immer mehr der Zusammenhang bestimmter Krankheitsbilder im Kinder- und Jugendalter mit dem eklatant zunehmenden Bewegungsmangel von Kindern festgestellt.
Zugenommen hat auch die Zahl der Nichtschwimmer in Bayern. Die Gründe hierfür liegen zum Teil auch in den Entscheidungen des Haushaltsgesetzgebers. Bis vor zehn Jahren wurden Bau und Sanierung kommunaler Breitensportanlagen durch den Freistaat noch gefördert. Seit dem Wegfall dieser Förderung wurden in Bayern allein 100 Schwimmbäder geschlossen. Unsere Kommunen sind angesichts der angespannten Haushaltslage regelmäßig nicht mehr in der Lage, die überwiegend aus den sechziger und siebziger Jahren stammenden Bäder zu sanieren. Deshalb hat die SPD-Fraktion aus einer echten sportpolitischen Zielsetzung, die Zahl der Nichtschwimmer wieder zu senken, heraus in den Haushaltsberatungen für 2007/ 2008 einen neuen Haushaltstitel für die Sanierung kommunaler Bäder in Höhe von jährlich 20 Mio. Euro gefordert. Der Antrag wurde von der Landtagsmehrheit allerdings abgelehnt.
Schulsport in Bayern vernachlässigt
Umso weniger kann man akzeptieren, dass die Bayerische Staatsregierung ausgerechnet den einzigen Bereich seit Jahren vernachlässigt, in dem sie direkten Einfluss darauf hat, ob und wie viel Sport Kinder treiben: den Schulsport. Hier wird die Bayerische Staatsregierung ihrer Verantwortung schon seit Jahren nicht mehr gerecht. Die Schulsportstunden wurden so rigoros gekürzt, dass Bayern auf den vorletzten Platz in Deutschland abgerutscht ist. Das muss sich ändern!
Wir SPD-Abgeordneten sehen uns als verlässliche Partner unserer Sportvereine und für die Belange des Schulsports.
Übungsleiterpauschale für Ehrenamtliche
Wir setzen uns ein für eine finanzielle Unterstützung von Vereinen und Übungsleitern, die ihrer Tätigkeit angemessen ist. So wurde die Steuerbefreiung der Übungsleiterpauschale, die ursprünglich auf Bundeskanzler Willy Brandt zurückgeht, von der Regierung Schröder auf 1848 Euro im Jahr erhöht; bis zu diesem Betrag sollten die Aufwandsentschädigungen steuer- und sozialversicherungsfrei bleiben. SPD-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat für einen zusätzlichen Steuerfreibetrag für Ehrenamtliche gesorgt.
Aber auch über die finanzielle Förderung hinaus ist es unser Anliegen, Rahmenbedingungen zu setzen, in denen Vereine wirtschaftlich überleben und zugleich ihr Angebot an die veränderten Wünsche der Bevölkerung anpassen können.
Neue Herausforderungen
Neue Trendsportarten, die zunehmende Beliebtheit von individueller Sportbetätigung z.B. im Fitnessstudio anstelle der Mannschaftssportart und ein neues Bewusstsein für Wellness und Fitness als Form der Gesundheitsvorsorge stellen große Herausforderungen für unsere Vereine dar. Das gilt auch für die öffentliche Hand als Zuschussgeber.
Wichtig ist dabei die Koordination, damit mit den wenigen vorhandenen Mitteln eine vielfältige Angebotsinfrastruktur geschaffen werden kann – anstelle der zehnten Streetballanlage im Stadtteil also z.B. lieber ein erstes Beach-Volleyballfeld. Auch eine Zusammenarbeit von benachbarten Vereinen erscheint mir hier sinnvoll – bei aller oft schon traditionellen Rivalität zwischen Nachbarvereinen, die man ja weiterhin sportlich pflegen kann.
Als sportpolitische Sprecherin der mittelfränkischen SPD-Abgeordneten stehe ich den mittelfränkischen Sportvereinen gerne als Ansprechpartnerin zur Verfügung.